Mittwoch, 14. November 2012

Gute Gamer, schlechte Gamer oder "Früher war alles besser"?

Da gibt es schon seit einiger Zeit ein Thema, das wirklich sehr wichtig ist, vor allem, da ich alle naselang darauf stoße und es mir ständig anhören muss, und langsam kann ich mich da einfach nicht mehr zurückhalten, es geht schlicht und ergreifend nicht mehr.

In Gamerkreisen kennt man das doch sicher. Da gibt es "alte Hasen", die - verständlicherweise! - den Zeiten nachtrauern, in denen sich damals noch kleine Spieleschmieden hin setzen konnten und mit relativ geringem Kostenaufwand sehr große, sehr vielseitige Spiele herausbrachten. Zu dieser Zeit entstanden solche heute von diesen alten Hasen hochgelobten Spiele wie "Baldurs Gate" oder "Arcanum" oder "Fallout".

Nur ist mir eins sehr negativ aufgefallen... nämlich die Angewohnheit dieser "alten Hasen" die Spielerschaft grundsätzlich in zwei Gruppen aufzuteilen: Die Casualgamer und die "Elite" - wie ich es jetzt in Ermangelung einer besseren Bezeichnung nennen werde . Zur ersten Gruppe gehören unter anderem sowohl sämtliche Spieler, die beim Erscheinen von Baldurs Gate, Arcanum und Fallout noch zu jung warum, um deren Existenz zur Kenntnis zu nehmen, Hausfrauen mit wenig Zeit und/oder Kindern als Konsolenspieler. Zur Elite gehören die Spieler, denen es - sorry - einen Orgasmus verschafft sich durch 100 Seiten dicke Handbücher zu lesen bevor sie ein Spiel auch nur beginnen können und die grundsätzlich kein Spiel interessant genug finden, welches nicht ein 100-Seiten-starken Handbuch besitzt. Die "Elite" rühmt sich gerne damit, dass sie besonders anspruchsvolle Spieler sind. Diese Elite betrachtet Casualgamer, insbeondere Konsolenspieler, als das pure Böse und den Grund dafür, warum man heute keine 100-Seiten-starken Handbücher mehr zu lesen braucht, um ein Spiel spielen zu können. Weil für die Casualgamer, insbesondere Konsolenspieler, ja immer alles super einfach gemacht werden müsse.

Ehrlich... ich lese das so oft, überall wird gemeckert und sich beschwert. Früher sei ja alles besser gewesen. Die Spiele sahen zwar grotte aus, waren aber noch voller Visionen, voller Möglichkeiten, und du hast deinen Kopf noch benutzen müssen, weil die Kämpfe bockschwer waren und du auf jedes noch so kleine Detail hast achten müssen...
Ähm ja, man liest es jedenfalls, so oder so ähnlich, in sämtlichen Spieleforen irgendwann früher oder später.

Und ehrlich: Es nervt. Dieses Elitedenken nervt. Diese herablassende Haltung gegenüber Konsolenspielern nervt. Diese Haltung, an allem was neu ist grundsätzlich herumkritteln zu müssen, nervt. Die Angewohnheit, alte Titel maßlos zu verklären und in den Spieleolymp zu heben, nervt.

Es ist irgendwann nur noch diskrimierend. Man sieht nicht mehr die guten Seiten, nur das schlechte.

Ja, die Spieler sind heutzutage leichter geworden. Die Steuerung ist intuitiver, du musst nicht mehr das D&D-Regelwerk verstehen können, du brauchst nicht mehr zehn Tasten zu traktieren um eine einzelne Wand hochzukommen. Hallelujah, sage ich da!

Natürlich haben die heutigen Spiele auch ihre Schwächen. Ich finde es ja auch schade, dass in den meisten heutigen RPGs jeder Charakter gleich behandelt wird. Und vielleicht sind heutige Spieler auch ungeduldiger geworden. Aber die heutige Spielerschaft ist auch viel größer. Heutzutage spielen nicht nur mehr Mega-Nerds und Computerfreaks (überspitzt gesagt) PC-Spiele, sondern auch normale Menschen mit einem Vollzeitjob und verhältnismäßig wenig Zeit. Man kann solchen Leuten doch nicht abverlangen, dass sie erst mal 5 Stunden das 100-Seiten-Handbuch durchackern müssen, um das Spiel zu verstehen!

Und dass die meisten Spiele heutzutage plattformübergreifend, also auch für die Konsole erscheinen, ja dass die Konsolen XBox 360 und PS3 sogar marktführend geworden sind, hat für die PC-Spieler doch auch ihr Gutes. Früher durfte man sich alles halbe Jahr den Computer aufrüsten, weil die alte Hardware für die neuen Spiele nicht mehr ausreichte. Heutzutage - dank der Konsole! - kann man mit derselben Hardware gut 3 Jahre problemlos und ohne große Einschränkungen in Performance und Grafik spielen.

Hallelujah, noch einmal. Denn das schont nicht nur die Nerven, sondern auch den Geldbeutel.

Und überhaupt, was soll dieses Herumgehacke auf den Konsolenspielern? Es ist einfach diskrimierend und grenzt für mich fast schon an Cybermobbing. Nur weil BG2 nicht auf Konsole erschienen ist (oder irre ich mich da?), und die Konsolenspieler so nie in den Genuss dieses Spiels kamen (wenn sie nicht auch noch einen PC besitzen und zum Spielen nutzen), sind sie also "Spieler zweiter Klasse" oder was? Anspruchslose Couchpotatoes, denen man alles so einfach wie möglich machen muss, weil sie ja keinen Ehrgeiz und keine Ausdauer besitzen, geschweige denn Grips? ES REICHT! Die PC-Spieler wollen ja auch nicht als sabbernde, stinkende Nerds bezeichnet werden, warum also dieser... ja, dieser Hass muss man fast sagen, auf Konsolenspieler? Es nervt mich so sehr, ich könnte schreien.

Ich spiele standardmäßig am PC. Und ich habe trotzdem niemals daran gedacht, mich deswegen für einen besseren Spieler zu halten.

Dieses Elitedenken ist, um es klar zu sagen, scheiße! Wir PCler sind nicht bessere, würdigere und klügere Spieler als die Konsoleros, weil wir vor einem Computerbildschirm statt vor einem Fernseher unsere Spiele spielen!

My 5 Cents
Andauril

2 Kommentare:

  1. Heieiei, das war mir gar nicht bewusst, dass da so krasse Ansichten vertreten werden... ich sag ja immer, ist wohl besser, wenn ich mich in so wenig Foren wie möglich rumdrücke, das schont meine Nerven *hehe* Ich kann auch ehrlich gesagt gar nicht verstehen, woher so ne Einstellung überhaupt kommen kann? Konsolen gibt es schon seit ich denken kann... ich hab mit zocken angefangen, da war ich noch keine 16, und jetzt bin ich 33 :D Und schon damals bist du in den Läden mit Konsolenspielen zugeworfen worden... sei es Nintendo, Mega Drive, Master System etc. pp. und ich denke, es gab auch für die Konsolen äußerst geniale Spiele. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mir EINMAL ein Spiel für den PC gekauft habe und als ich es reinlegte, war mein Hauptgedanke "ihGITT, wieso dauert das denn so lang und wieso ruckelt das so ätzend?" - sowas hattest du bei Konsolen eben nie :D ich glaub, es kann nicht lang nach dem C64 gewesen sein, dass die erste "gescheite" Konsole auf den Markt kam (Atari lässt grüßen, und hey, die Grafik war Rotz, aber es war trotzdem toll, Stimmung und so *hehe*). Es gab also schon IMMER beides, das ist also keine Frage, was zuerst da war... warum dann also so n Schwachsinn vertreten? Das is nämlich IMO nicht mal wirklich n Standpunkt, sondern schlicht und einfach Rumgeätze... Vermutlich sogar eher Neid, weil mittlerweile sehr geniale Spiele NUR für die Konsolen rauskommen und NICHT für den PC... wie z.B. God of war (lechz) und Uncharted (doppel lechz).

    Anders kann ich mir so n Verhalten nicht erklären - Gott sei Dank is mir noch keiner begegnet, der so nen Stuss von sich gegeben hat, dem hätt ich gehörig was gegeigt *hehe* ;) Ich teile deine Meinung also voll und ganz!!!! :) Ich finds so angenehm, wie schön unvoreingenommen du immer an Sachen rangehst und quasi gegen den Strom schwimmst :)

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    1. Ich verstehe es auch nicht. Dieses Konsolenbashing ist echt traurig und so unnötig. Muss das denn sein?

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