Darüber könnte ich mich jedes Mal aufs Neue aufregen. Vor allem in der Gamerwelt ist dieses Phänomen immer wieder anzutreffen und eng verwandt mit dem "Früher war alles besser"-Syndrom.
Es gibt da einige recht prominente Beispiele in der Welt der Videospiele, die sicher kaum jemanden entgangen sein dürften. Die Faustregel der Spieler scheint zu sein: "Der 1. Teil ist immer der Beste!" Und darauf beharrt man dann steif und fest, auch wenn der 1. Teil erzählerisch mangelhaft war, der Spielablauf wenig abwechslungsreich, der Protagonist schlecht beleuchtet... Aber dieses Spiel hatte ja zumindest noch etwas, das seine (miesen!!!!111einseinself) Nachfolger nicht hatten: eine Seele! Anspruch!
Manchmal - manchmal! - stimmt das ja auch... aber nicht immer.
Ich werde das mal an ein paar Beispielen erläutern:
1. Beispiel: Mass Effect von BioWare
Der erste Teil (Mass Effect) der Trilogie wurde von den "Mass-Effectlern" für ziemlich großartig gehalten. War er auch. Man hatte eine spannende Handlung, interessante Charaktere, nette Schauplätze. Aber es gab eben auch Schwachstellen. Die Planeten, die nicht Schauplatz der Haupthandlung waren, waren furchtbar generisch und sahen alle so ziemlich gleich aus. Der Hauptcharakter, Commander Shepard, war zu dem Zeitpunkt eine Art Vorzeigesoldat der wenig menschlich wirkte dadurch, dass er kaum jemals Schwäche erkennen ließ oder versagte. Das Gameplay war zähflüssig, die Kampfeinlagen spielten sich entsprechend. Und das Deckungssystem war katastrophal. Und das Mako! So ein grausames Spielelement habe ich noch nie erlebt!
Mass Effect 2 hat eigentlich nicht viel anders gemacht, aber die generischen Nebenlevels flogen raus. Die neuen Nebenquestareale waren kleiner, aber individueller gestaltet, mit mehr Details. Die Handlung knüpfte an den Vorgänger an, war aber anders erzählt. Eher in Episoden und es drehte sich mehr um persönliche Schicksale, die große Gefahr war halt vorrübergehend gebannt... das Gameplay war viel flüssiger, auch wenn die Kämpfe mehr wurden, aber zumindest spielten sie sich jetzt doch nicht mehr so zäh und hatten mehr Tempo. Aber die Spielergemeinde fing sofort an, Mass Effect 1 mit neuen Schauplätzen zu wollen. Es wäre doch gut so gewesen, wie es davor war. Alles, was jetzt anders war, sei nur eine Vereinfachung und daher schlecht.
Wie das Lied mit Mass Effect 3 weiter ging, muss ich nicht erläutern, oder? In Mass Effect 3 ging man ein Stück zurück in Mass Effect 1 Richtung, was das Skillsystem betraf. Der Rest blieb eher so wie in Mass Effect 2. Abgesehen von der Handlung, die war wieder von epischer Größe. ABER Shepard zeigte sich zum ersten Mal als Mensch mit Schwächen. Shepard scheitert, Shepard leidet, Shepard verzweifelt und bricht fast zusammen, kämpft sich trotzdem ans Ziel und erreicht es - aber schwer verletzt und zerschlagen. Viele halten das tatsächlich für eine SCHLECHTE Entwicklung! Die Vermenschlichung des Helden soll schlecht sein? Warum will man nur unfehlbare, unerschütterliche Charaktere haben? Ich würde ME3 als meinen Lieblingsteil betrachten, auch wenn das Ende kacke war.
Für viele Gamer ist es trotzdem anscheinend das mieseste der Spiel der Reihe... und warum? Weil es nicht Mass Effect 1 ist.
Logik?
2. Beispiel: Dragon Age von BioWare
Hier ist es mal umgekehrt. Der erste Teil war wirklich besser, was daran liegt, dass Dragon Age Origins einfach wesentlich fertiger wirkt als Dragon Age 2. Dragon Age 2 hatte großes Potenzial durch das Versprechen einer persönlichen, auf den Hauptcharakter geschriebenen Geschichte und dass die Entscheidungen den Verlauf der Handlung beeinflussen. Heraus kam ein Spiel, das in viel zu kurzer Zeit (1,5 Jahre für ein Rollenspiel ist einfach viel zu kurz!) auf den Markt gebracht wurde und dadurch eben nur sehr wenige und sehr marginale Einflussmöglichkeiten auf die Handlung bot. Es gab viele, sehr viele Gebietskopien (auch während der Hauptmissionen) und die Geschichte war zwar persönlich, hat ihr Potenzial aber nicht voll ausgeschöpft. Trotzdem hat DA2 zumindest einiges ansatzweise besser gemacht als sein Vorgänger. Erstmals war es jetzt möglich, seine Begleiter in den Dialog einzuklinken und dadurch teilweise andere Gesprächsverläufe oder zusätzliche Informationen zu erhalten. Die Kämpfe spielten sich jetzt flotter (auch wenn manche der Animationen schlicht übertrieben waren). Die Skilltrees waren auch besser, da verzweigter, nicht mehr linear. Und Spaß hat es trotz der Fehler trotzdem irgendwie gemacht. Trotzdem neigt man unter den Dragon Age Spielern dazu, DA2 für totalen Schrott zu halten und DAO in den Himmel zu loben (dem gegenüber). Tja, da bin ich wieder mal anderer Ansicht. Denn DAO ist sicher gut, aber nicht so toll, wie viele es finden. Und DA2 ist zwar schwächer als DAO, aber es ist dennoch ein recht unterhaltsames und solides Spiel geworden.
3. Beispiel: Assassin's Creed von Ubisoft
Herrje, hier geht mir das ja besonders auf den Sack. Und warum? Weil ich dieses ganze Genöle einfach nicht mehr hören kann darüber, wie geil!!!!!!111einseinself doch AC1 war und wie "vereinfacht" und "vercasualisiert" und im Vergleich "schlecht" doch seine Nachfolger...
AC1 war mit Sicherheit kein schlechtes Spiel. Es hatte interessante Charaktere, das Gameplay ist sowieso (für mich zumindest) klasse gewesen und die Handlung war auch gut. ABER der Spielablauf war doch immer der gleiche, oder? Rein in die Stadt, Infos sammeln, Ziel töten, raus aus der Stadt. Und das neun mal. Ist beim ersten und auch beim zweiten Mal noch ganz spannend und lustig gewesen, aber dann hatte man alles gesehen und es wurde irgendwie langweilig. Hätte ich nicht wissen wollen, wie das Ende aussieht, und hätte das Herumklettern nicht so einen Spaß gemacht... ich wäre heute bestimmt kein Fan der Reihe. Denn weder die Handlung noch der Hauptcharakter Altair wurden so präsentiert, wie sie hätten präsentiert werden müssen. Trotzdem ist AC1 für viele AC-Spieler DAS Assassin's Creed.
Wie viel besser es doch die Nachfolger (AC2, ACB, ACR - AC3 hab ich noch nicht gespielt) gemacht haben. Das Gameplay, also die Missionen, sind abwechslungsreich. Die Charaktere sind nicht minder interessant, aber diesmal kann man sie hassen, lieben oder verachten... Ezio ist als Protagonist greifbar, man lernt ihn kennen, nicht nur als Assassinen, sondern auch als Bruder, Sohn, Frauenschwarm, Tunichtgut, Neffe, Freund. Das Spiel hat viel mehr Bezug auf die Hauptperson. Und dabei behält es die Stärken des Vorgängers bei (das Klettern bspw., Desmonds Rahmenhandlung). Hinzu kommen Nebenquests - endlich mal! Trotzdem bekommt man zu hören, AC3/B/R seien zu leicht, zu wenig herausfordernd und Ezio wäre kein richtiger Assassine, und man mag ihn nicht, weil Keks.
Ich fand AC1 nie schwer. Die Gegner-KI war einfach doof. So schnell, wie den Gegnern die Puste ausging, war die Flucht doch echt ein Witz, und als Gegner waren nur die gepanzerten Templer 'ne Gefahr. In der Ezio-Trilogie sind die Gegner auch mal so schlau, ein Versteck zu durchsuchen, und sie verfolgen dich länger. Und die Konterfähigkeit ist nicht mehr so übermächtig. Hattest du die mal in AC1 erlernt, konntest du praktisch nicht mehr getötet werden (es sei denn, du stellst dich sehr blöd an).
Also, warum finden viele Spieler den 1. Teil immer am besten?
Meine Erklärung ist relativ simpel: Auch wenn sie immer danach schreien, dass sie Entwicklung sehen wollen, wollen sie in Wahrheit gar keine. Sie wollen das selbe Spiel mit neuen Schauplätzen und neuer Handlung, aber alles andere soll gefälligst so bleiben wie sie es gewohnt sind.
Viele der Gründe, warum man den neuen Teil, den neuen Helden, das neue Interface etc. blöd findet sind nämlich bei genauer Betrachtung absolut lächerlich und an den Haaren herbei gezogen. Das kommt mir vor wie ein Alibigrund um nicht zugeben zu müssen: Es ist zu ungewohnt für mich! Damit komme ich nicht klar!
Traurig eigentlich...
Wie auch immer... das war's zu dem Thema von mir, erstmal.
My 5 Cents
Andauril
Und wieder mal kann ich nur sagen - seh ich genauso :D (erschreckend eigentlich, WIE oft wir einer Meinung sind *hehe*). Zu den ersten beiden Beispielen kann ich nichts sagen, da ich sie nicht kenne... AC... na ja, du weißt, dass wir da Schwestern im Geiste sind ;) aber zur Entwicklung sei an dieser Stelle mal noch gesagt - AC3 wird tatsächlich um einiges schwerer sein, "freu" dich schonmal *gnaaahhh* Die Wachen reagieren diesmal SEHR viel realistischer auf dich (also da wirst du sogar sofort angepöbelt, wenn du mal jemanden schubst oder so), das anonym werden ist SACKschwer... trotzdem fand ich es in AC2 und Folgeteilen auch schon sehr genial... in AC1 biste einfach mal n paar Meter rumgelaufen und schon haben die Wachen dich vergessen -.- (ja, sowas is ja viiiiieeeel besser und realistischer *hehe*).
AntwortenLöschenVor allem konntest du in AC1 selbst dann, wenn es Stadtalarm gab, ganz einfach mit gesenktem Haupt an den Wachen vorbei marschieren und die haben nicht gerallt, dass der Assassine, den sie suchen, da gerade direkt vor ihrer Nase entlangzuckelt...
Löschen*lol* eben... es war absolut lachhaft, was das angeht... ich weiß nicht, ob ich das überhaupt schon gebeichtet habe - aber ich habe AC1 nie ganz zu Ende gespielt. Einfach, weil es mir zu öde war. Es hat sich ständig alles wiederholt, es war dauernd dasselbe und die Grafik war jetzt auch nicht besonders abwechslungsreich. Also wenn man schon auf dieses "der erste Teil war am besten" pocht, sollte man sich gewiss nicht die AC Reihe als Beispiel nehmen ;D
AntwortenLöschenKomplette Zustimmung! AC1 gehört zwar dazu, weil damit alles anfing usw., aber es war bestimmt nicht der beste Teil der Reihe^^
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